Stele 3
Platz im Orth

Vom Dorf zur Stadt

Alt-Neviges
Neviges wird erstmals um 1220 urkundlich erwähnt. Der Name leitet sich her von "navigisa: einem frühgeschichtlichen Flussnamen, und bedeutet „fließen des Gewässer/Bach". So wurde ursprünglich der Hardenberger Bach genannt, der östlich des alten Ortskerns sich mit dem Lohbach vereinigt und dann nach Norden fließt. Ab dem 16. .Jahrhundert ist die häufigste Schreibweise "Neviges" daneben aber auch "Neves".

Die Anfänge
Keimzelle des Orts war der Hof der Herren von Hardenberg, die in dessen Nähe eine 1220 nachweisbare Eigenkirche errichteten. Ihr Herrensitz ("Alte Burg") lag über 700 m vom Ortskern entfernt auf der Spitze des westlich ansteigenden Geländes. Die Ansiedlung wurde 1354 als Dorf bezeichnet, sie gehörte zur Herrschaft Hardenberg und bestand aus 17 Häusern. 1578 zählte man in Neviges 44 Feuerstätten und etwas später (1602) 50 Steuerzahler.

Häuser, Straßen, Plätze
Bis 1810 steigt im Dorf die Einwohnerzahl auf 1.119, entsprechend verzeichnet 1814/15 die Urkarte 128 Häuser, die damals Namen tragen wie "In der Blume", "Im Koven", "Aufm Keller". Einzelne Straßen (Löher Straße) sind schon seit 1746 bekannt, aber erst für 1863 ist eine Liste mit den Namen der Nevigeser Straßen überliefert. 1839 wird ein Marktplatz nördlich des Dorfes erwähnt, sein Standort wechselt später in den Bereich des heutigen Busbahnhofs.

Reformation und Wallfahrt
Die Reformation breitet sich mit Unterstützung der Herren von Hardenberg ab 1571 im Dorf Neviges wie in der ganzen Herrschaft so umfassend aus, dass hier 1589 die erste reformierte Bergische Synode im alten Pastorat stattfindet.
Durch die Übertragung eines Marienbildes in die 1670 erbaute katholische St. Anna-Kirche entsteht 1681 eine viel besuchte Wallfahrtsstätte, obwohl die Bewohner bis heute überwiegend evangelisch geblieben sind. Am Ende des 18. Jahrhundert gibt es in Neviges zwei evangelische (ref. u. Iuth.) Kirchen und eine katholische Kirche mit einem Franziskanerkloster; ferner drei Schulen, eine reformierte, eine lutherische sowie eine katholische.

Gewerbe und Fabriken
1812 wird eine Baumwollspinnerei im Weinberg gegründet und zu nächst mit Wasserkraft betrieben. Eine weitere entsteht 1818 (am heutigen Vereinshaus „Glocke")‚ die 1833 von der Firma David Peters aus Elberfeld übernommen wird und die zeitweise 110 Arbeitskräfte beschäftigt. Peters baut dann 1867 südlich des Dorfes an der Elberfelder Straße eine Maschinenweberei.
1373 gründet Friedrich Hasenkamp südöstlich des Ortskerns (s. Hasenkampsplatz) eine Eisengießerei mit Dampfkraft; 1913 sind hier 159 Arbeiter tätig.

Eisenbahnstation und Straßenbahnen
1847 erhält Neviges einen Bahnanschluss durch die Eröffnung der Prinz-WilheIm-Eisenbahn von Steele (heute Essen) nach Vohwinkel (heute Wuppertal).
1897 wird die Straßenbahnstrecke der "Bergischen Kleinbahnen" von Elberfeld nach Neviges in Betrieb genommen und von hier dann 1898 weitergeführt nach Velbert, 1899 auch nach Langenberg. Neviges bildet mit der "Weiche Elberfelder Straße", dem Betriebshof mit Wagenhalle, Hauptwerkstatt und Kraftzentrale (am heutigen Parkplatz "Auf der Beek") einen Schwerpunkt im niederbergischen Nahverkehr.

Rathausbau, Stadtrechte und Wappen
Nach jahrelanger Anmietung von Verwaltungsräumen wird 1886/87 das Rathaus an der Wilhelmstraße erbaut.
Erst 1922 erhält Neviges die Stadtrechte durch Verleihung der Rheinischen Städteordnung, nachdem es bis dahin mit Dorf und Bauerschaften die flächenmäßig größte Landgemeinde Preußens gewesen ist. Die neue Stadt Hardenberg-Neviges (ab 1935 nur Neviges) führt seit 1929 ein Wappen, das mit dem Schlossturm und Wappenschild der Hardenberger an die alte Herrschaft und mit dem Bachlauf an den Ursprung des Namens erinnert. 1975 erfolgt durch die kommunale Neugliederung der Zusammenschluss mit Velbert und Langenberg zur neuen Stadt Velbert.

Dieser Platz wurde erst nach dem Ende des Zweiten Wehkrieges geschaffen. Vorher stand hier das Restaurant "Zur Eiche", das in der letzten Nacht vor dem Einmarsch der US-Truppen in Neviges, der 15./16. April 1945, durch alliierten Artilleriebeschuss zerstört und später abgerissen wurde.
Durch diesen Angriff kamen in der Stadt 46 Menschen ums Leben.

 

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