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Evangelische Stadtkirche

Im Jahre 1220 wird für Neviges schon eine Kirche, capella genannt, erwähnt. 1317 gab es einen Pfarrer, was auch auf eine Pfarrkirche zu dieser Zeit schließen lässt, als deren Patronin 1371 St. Margarete bezeugt ist.

Mit der Verbreitung der Reformation wird ab 1571 in der Kirche der evangelisch-reformierte Gottesdienst eingeführt und das Patrozinium von den Reformierten auf St. Johannes den Täufer übertragen. Der Vorgängerbau der heutigen Stadtkirche besaß neben einem Haupt- noch zwei Seitenschiffe und eine Gesamtläng von 27,60 m vom Chor bis zum Turm. Von diesem spätgotischen Kirchbau (Ende 14. Jh.) ist der gotische Chor im Osten noch erhalten, während der dreigeschossige Turm mit geschweifter Haube 1697 neu errichtet wurde (s. Maueranker). Wegen Baufälligkeit musste dann auch von 1740-44 das Langhaus grundlegend erneuert werden, wobei neben dem Chor auch die Nordwand ganz erhalten blieb.

Historischer Weg - ev. StadtkircheSo entstand im Inneren der heute noch vorhandene Raum in der Form einer reformierten Predigtkirche: Ein rechteckiger Saal mit überputztem hölzernem Tonnengewölbe und dreiseitiger auf die Kirchenmitte bzw. die Kanzel ausgerichteter Empore. Im Chor erhebt sich die auf einer gedrehten hölzernen Säule freistehende Rokokokanzel (18. Jahrhundert), zu der rückseitig eine Treppe mit einem kunstvoll geschnitzten Geländer hinaufführt. Der fast zierliche sechsseitige Kanzelkorb wird überragt von einem übergroßen, an der Decke aufgehängten Schalldeckel, geschmückt mit reichem Schnitzwerk und bekrönt mit einer Engelsfigur.

Auf der linken Seite sind oben noch die Reste des sogen. „Herrenchörchen“ zu erkennen, vor dem früher eine Orgel aufgestellt war. Die heutige Kreienbrink-Orgel auf der westlichen Empore wurde 1983 mit barockisiertem Prospekt eingebaut. Das Gestühl aus dem 18. Jahrhundert weist als Besonderheit die eingeschnitzten Familien- bzw. Hausnamen der damaligen Sitzplatzinhaber auf.

Die Kirche war bis 1666 auch die Grablege der Hardenberger Herrscherfamilie, deren Angehörige in vier Grabstellen im Chor und in einer Gruft unter der ehemaligen Sakristei auf der Südseite beigesetzt wurden.

Rund um die Kirche lag bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts der Friedhof der reformierten Gemeinde. Davon zeugen heute noch die alten, an der äußeren Kirchenwand aufgestellten Grabsteine.

Der Kirchplatz ist von historischen Fachwerk- und Schieferhäusern aus dem 18. Jahrhundert umgeben und bildet damit den Kern der Nevigeser Altstadt. Die Häuser tragen Namen wie "Im Hagdorn", "In der Turteltaube", „Oben am Kax", "Neue Offerig", "Oberste Klause" u.a.

 

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