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Wallfahrtsdom "Maria, Königin des Friedens"

Die 1681 entstandene Wallfahrt zum Hardenberger Gnadenbild der Unbefl eckten Empfängnis Mariens erlebte seit Beginn des 20. Jh. immer größere Ausmaße. Auch in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg stiegen die Pilgerzahlen wieder so stark an, dass frühere Bestrebungen zum Bau einer großen Wallfahrtskirche jetzt zum Ziel führten.

Historischer Weg Neviges - MariendomDer Mariendom wurde in den Jahren 1966 bis 1968 von dem Kölner Architekten Gottfried Böhm gebaut und am 22. Mai 1968 auf den Titel „Maria, Königin des Friedens“ geweiht.

Die Kirche vermittelt in ihrer kristallinen Form den Eindruck einer kubistischen Großplastik. Ihr skulpturaler Baukörper entspringt der „Auffassung der Architektur als Plastik“ und kann so durch seine vieldeutige Bildhaftigkeit für den Wallfahrer zum Zeichen der Pilgerschaft oder deren Ziel werden (Pilgerzelt, Stadt Gottes, Fels der Kirche).

Der ungewöhnliche Sakralbau gilt als eines der bedeutendsten Beispiele neuzeitlicher Kirchenarchitektur und ist nach dem Kölner Dom die zweitgrößte Kirche im Erzbistum, in der sich über 6.000 Menschen versammeln können. Auf einer Grundfl äche von mehr als 2.000 Quadratmetern erhebt sich eine reine Betonkonstruktion, deren frei tragendes 2.700 Quadratmeter großes Faltwerkdach über einem unregelmäßigen Grundriss (50 x 37 m) architektonisch einmalig ist. Es hat die Form von drei ineinander geschobenen Betonzelten, von denen die höchste Faltspitze eine Höhe von 34 Metern erreicht, während die giebelförmigen Außenwände 10 bis 22 Meter hoch aufragen.

Im Inneren überspannt das Zeltdach einen weiten und hohen Zentralraum, dessen glatte Wände oben in asymmetrischen Giebeln und Schrägen enden oder durch abknickende Flächen in die Decke übergehen. Die Dynamik der Architektur endet in der höchsten Spitze, die sich über einem Platzraum mit dem Altar in der Mitte erhebt, um den sich die Pilgergemeinde zur Eucharistiefeier versammelt. Der Eindruck eines Forums wird verstärkt durch eine dreigeschossige, wie eine unregelmäßige Häuserfront strukturierte Empore im Westen. Ihr gegenüber öffnen sich hohe Wanddurchlässe zur Marien- und zur Sakramentskapelle im Norden und Osten, dazwischen führt eine Treppe hinab zur Unterkirche und Krypta.

Die großen farbigen Flächenfenster (Entwurf G. Böhm), alle unterschiedlich in der Größe und Form, geben der massiven Schwere des grauen Betonkörpers eine lichtvolle Transparenz. Zur kunstvollen Ausstattung der Kirche gehören die Marien- und Sakramentssäule sowie der Altar, ausdrucksvolle Natursteinskulpturen von E. Hillebrand. 2010 konnte auf der nördlichen Empore eine zweimanualige Pfeifenorgel mit 30 Registern eingebaut werden.

 

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