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Kath. Pfarrkirche und Franziskanerkloster

Die kath. Pfarrkirche von Neviges ist 1728 erbaut worden als Erweiterung einer schon 1670 durch die Freifrau Anna von Bernsau, geb. von Asbeck, errichteten Anna-Kirche. Die Vergrößerung bzw. der Neubau der Kirche war notwendig geworden, um die zahlreichen Pilger aufzunehmen, die seit der ersten Wallfahrt am 25. Oktober 1681 zur Verehrung des Gnadenbildes der Unbefleckten Empfängnis Mariens in Prozessionen nach Neviges kamen. Entsprechend erhielt die Kirche nun auch das Patrozinium „St. Mariä Empfängnis“. Sie war fortan gleichzeitig Kloster-, Pfarr- und bis 1968 auch Wallfahrtskirche.

Historischer Weg Neviges - kath. PfarrkircheDer schlichte Kirchenbau mit einem nach Süden ausgerichteten Chor ist an seiner Nordfassade mit Giebelportal (Ädikula), Pilastern, ionischen Kapitellen und geschweiftem Volutengiebel im Barockstil ausgeführt, dagegen lassen Kirchenschiff und Chor außen an den Spitzbogenfenstern und den abgetreppten Strebepfeilern gotische Elemente erkennen. Der sechsseitige barocke Dachreiter mit offener Glockenstube betont die einfache Architektur einer franziskanischen Klosterkirche.

Das Innere zeigt die Gestalt einer einschiffi gen Hallenkirche mit gotischem Chor und acht Jochen in Form von Kreuzgratgewölben mit tief eingeschnittenen Kappen. Die über dem Säulengang der rechten Seite hinter Spitzbogenarkaden eingebaute Empore diente ursprünglich als zusätzlicher Raum für die Aufnahme von Pilgern.

Die Ausstattung weist neben dem barocken ehemaligen Gnadenaltar aus schwarz-grauem Marmor (um 1690), einer Stiftung des Bergischen Herzogs Johann Wilhelms II., Formen des frühen Rokoko (1. Hälfte 18. Jh.) im Hochaltar und Chorgestühl, in Kanzel, Orgelprospekt und den Beichtstühlen auf. Den umfangreichen Skulpturenschmuck ergänzt im Hochaltar seit 1952 ein Gemälde der Himmelfahrt Mariens von dem Venezianer J. Palma il Giovane († 1628), einem Schüler Tizians.

Die katholische Herrin von Hardenberg, Anna von Bernsau, deren Untertanen fast alle zum reformierten Bekenntnis übergetreten waren, rief Franziskanerpatres zur Missionierung nach Neviges und schenkte ihnen bei ihrer Ankunft im Jahre 1676 „die neuerbaute Kirche nebst bequemem Platz für eine geistliche Wohnung und anliegenden Garten“. Der zweite Guardian P. Caspar Nießing legte am 20. Juli 1681 den Grundstein für den Bau eines Klosters. Der Fürstbischof von Paderborn, Ferdinand von Fürstenberg, der nach seiner Genesung von schwerer Krankheit zu ersten Wallfahrt kam, ließ zum Dank das Kloster mit 18 Zellen bis 1683 vollenden. Das bezeugt eine steinerne Votivtafel über der Klosterpforte.

Das Klostergebäude schloss im rechten Winkel westlich an die Anna-Kirche an und bildete dann mit dem Bau der neuen Kirche (1728) im Grundriss ein Rechteck um einen Innenhof mit geschlossenem Kreuzgang. Eine umfangreiche Restaurierung des gesamten Klosterbaus erfolgte in den Jahren 1992–98.

 

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