In der Zwischenzeit erhielten wir die Aufforderung, die einzelnen Modelle zum Erzbischöflichen Hause nach Köln zu bringen. Dort habe ich diese mitsamt den dazugehörigen Zeichnungen im großen Sitzungssaal aufgebaut. Am folgenden Tag war dort eine Sitzung der Behörde unter Vorsitz von Joseph Kardinal Frings. Am 19. September 1963 mussten die Modelle wieder abgeholt werden. Eine Firma aus Neviges stellte freundlicherweise einen Lastwagen zur Verfügung. Wir besaßen damals noch kein taugliches Gefährt für solche Zwecke. Beim Abbau fragte ich einen Bediensteten, was wohl herausgekommen sei. Dieser verneinte jedes Wissen, legte aber die Hand auf Böhm. Ich bedankte mich herzlich mit dem Bemerken: "Habe verstanden!"

Am 24. März 1964 fiel dann die große Entscheidung! Hier der Bericht des damaligen Guardians Pater Rufinus Reifenrath aus der "Rhenania Franciscana", Januar 1965:

"Der 24.März 1964 wird als Freudentag in die Geschichte der Hardenberger Wallfahrt eingehen. An diesem Tage, dem Feste des hl. Erzengels Gabriel, der die frohe Botschaft brachte, ward auch uns eine frohe Kunde. Kardinal Frings weilte mit Weihbischof Dr. Augustinus Frotz und dem Kunstausschuss der Erzdiözese Köln in Neviges. Wir erwarteten die Entscheidung des Herrn Kardinals. Er hatte als Bischof der Kölner Kirche das letzte Wort zu sprechen. Eingehend ließ er sich von seinem Fachreferenten, Herrn Erzdiözesanbaumeister Schloms, das ganze Bauwerk bis in die Einzelheiten erklären. Geradezu erstaunlich war, mit welch geistiger Blickschärfe der Herr Kardinal, dessen leibliches Auge fast erblindet ist, das Bauwerk verstand und sagte: "Ich möchte mich für den Entwurf von Professor Böhm entscheiden. Das wird ein würdiges Marienheiligtum!"

Endgültiger Entwurf von Prof. Gottfried Böhm - EingangsbereichEs folgten eingehende Beratungen und Besprechungen. Auch der Kunstausschuss stimmte geschlossen für diesen Entwurf. Dann fiel die Entscheidung:

"Professor Böhm baut die neue Wallfahrtskirche!"

(Eine Bemerkung von mir: Ich stand daneben und musste einen großen Scheinwerfer halten und betete im Herzen: "Lieber Herrgott, lass ihn an seinem Plan festhalten!" Auch brachte ich den Mut auf, den Hohen Herrn zu bitten, meine Ansicht zu unterbreiten. Er sagte zu. Meine Antwort: "Wenn wir eine Wallfahrt machen, nehmen wir ein Kreuz, ein paar Fahnen und ziehen. Das hat Böhm mit seiner Kirche und dem Wallfahrtsweg richtig erdacht." Seine Antwort: "Ja! Das ist es, es kam mir bis jetzt nicht so in den Sinn.")

Endgültiger Entwurf von Prof. Gottfried Böhm - Rückseite"Die Kirche sollte ca. 800 Sitz- und ca. 3000 Stehplätze erhalten, wobei die Architekten noch 25% hinzurechnen. Aus bautechnischen Gründen musste der Wunsch, den Grundstein schon am 8. Dezember des Jahres zu legen, zurückgestellt werden. Die vorbereitenden Arbeiten des Architekten sind aber nun so weit gediehen, dass die Ausschreibungen der Arbeiten an einige Großbaufirmen erfolgen können. Mit einer Bauzeit von zwei Jahren ist zu rechnen. Es bleibt der erklärte Wunsch des Herrn Kardinals, die Fertigstellung und Einweihung noch zu erleben. In ihr sieht er die Krönung seines reichen und gesegneten Lebenswerkes. Man darf es uns glauben, dass die Welt für uns wieder heller aufleuchtete. Nach all den Jahren des Planens und Hoffens und Überlegens, endlich ein Ende!"

Doch der Pferdefuß ließ nicht lange auf sich warten! Es begann der Behördenkrieg: Verwaltungsrat, Finanzausschuss und wie sich das alles nennt, Behörden-Hürden. Erst als der Herr Kardinal sich noch einmal persönlich eingeschaltet hatte, kam die Sache in Fluss. Und das kam so:

Nach einer ungewöhnlichen Stille hatten wir ein ungutes Gefühl! Eines Abends kam der Guardian zu mir. Wir sprachen darüber, dass sich nichts rührte. Rein zufällig kam mir ein Buch von dem sogenannten "Speckpater", Pater Werenfried Straaten, in die Hände. Der schilderte seine Sorgen bei der Beschaffung der Gelder für sein Unternehmen. Bei einem Besuch der Klarissen zu Düsseldorf besprach er sich mit der dortigen Äbtissin und klagte seine Not. Die Äbtissin versprach dem Pater, sich und die Kommunität für das Anliegen in Gebet und Opfer bei Gott einzusetzen. Und was geschah? In einigen Tagen hatte der Pater seinen Willen. Wir kamen überein, auch einmal diesen Weg einzuschalten. Pater Guardian kannte Klarissen in Trier, seinem langjährigen Wirkungskreis; ich kannte die Klarissen in Düsseldorf, wo ich aufgewachsen war. Beide schrieben wir noch am selben Abend je einen Brief mit der flehentlichen Bitte an beide Häuser. Und - einige Tage danach läutete das Telefon bei uns; am Apparat war Kardinal Frings persönlich: "Ich wollte mich mal erkundigen, wie es in Neviges läuft. Ich habe vor, in den nächsten Tagen mal hereinzuschauen und mich vom Fortgang der Bauarbeiten zu überzeugen." Unsere Antwort lautete aber: "Es rührt sich im Moment überhaupt nichts!" "Wie? Was? Nun gut, ich werde mich da mal erkundigen." Aus!

So kam dann am 22. September 1965 von Köln die offizielle Nachricht: "Mit dem Bau kann unverzüglich begonnen werden!" Gebetsvertrauen? Gebetsgeist der Frauen? Man kann darüber denken, wie man will! Klarer konnte Gottes Walten nicht zum Ausdruck kommen! Ein "Te Deum" war an diesem Tage für uns selbstverständlich!