Ein Jahr nach der Grundsteinlegung, es war der 14. Juli 1967, war das Richtfest. Eine Krone wurde hochgehievt, der Polier sagte seinen Spruch, Pater Rufinus hielt eine Dankansprache an die Bauleute, an die Nachbarn, die manche Unannehmlichkeiten zu bestehen hatten, und auch an alle, die geplant, überlegt oder sonstwie mitgestaltet hatten.

Ein Auszug aus der Ansprache:
"Wir alle, die wir in den letzten Jahren mitüberlegt, geplant haben, sind überrascht und begeistert über den formenreichen Inhalt dieser Kirche. Viele Kirchen sind in den letzten Jahren gebaut worden und werden noch gebaut, Pfarrkirchen, Abteikirchen, aber eine Wallfahrtskirche bauen, das ist etwas ganz Eigenes, und diese Idee, die unser hochwürdigster Herr Joseph Kardinal Frings auch zum Ausdruck gebracht hatte in den Besprechungen, wurde von Professor Böhm wirklich klar und präzise erfasst." Unterdessen liefen die Arbeiten des Ausbaues, Fensterrahmen wurden eingesetzt, Türen eingebaut, die Sakristeimöbel geliefert, ebenso die Beichtstühle, die Holzverkleidungen an den Bänken und anderes mehr.

Nachzutragen ist noch, dass am 4. Juli 1967 zum ersten Mal die neue Glocke läutete! Sie ist ein Geschenk der Dülmener Prozession. Der kleine Dachreiter über dem Portal wurde erst zusätzlich errichtet als Ersatz für den aus Mangel an Geldern gestrichenen Glockenturm.

Und dann kamen die denkwürdigen Tage in der Geschichte der Hardenberger Wallfahrt. Lassen wir den damaligen Chronisten sprechen: "Der 23. Mai 1968 - das Fest Christi Himmelfahrt - wird wohl als größter Tag in der Geschichte des Wallfahrtsortes eingehen. Nach dreißigmonatiger Bauzeit konnte die neue Wallfahrtskirche eingeweiht und eröffnet werden. Am Vorabend, dem 22. Mai, konsekrierte der in Deutschland lebende chinesische Bischof Vitus Chang im Auftrage unseres Erzbischofs Kardinal Frings die neue Kirche auf den Titel: 'Maria, Königin des Friedens'. Die Feierlichkeiten begannen um 19:30 Uhr. Assistenten waren: Pater Theobald Küppers und Bruder Alex. Alles geschah Rite. Es hatten sich zahlreiche Leute eingefunden. Am folgenden Tag, dem 23. Mai (Christi Himmelfahrt), um 8:00 Uhr zunächst die Konsekration des Altares, ebenfalls von Bischof Chang. Pater Guardian Rufinus trug die Reliquien der Märtyrer der Thebäischen Legion und der Heiligen Ursula und ihrer Gefährten in feierlicher Prozession in die Kirche. Einige Verwunderung erregte der Maurerpolier Zajak von der Firma Züblin, der dem Bischof bei der Einmauerung der Reliquien zur Hand gehen musste. Er war angetan mit weißem Anzug und blankem Zylinder.

Gegen 10:00 Uhr empfingen wir unseren Herrn Kardinal, der selbst das erste Heilige Opfer in der Kirche feiern wollte. Im feierlichen Pontifikalamt assistierten Bischof Chang und Bischof Josip Arneric aus Jugoslawien, der auch schon bei der Konsekration am Tage vorher und auch bei der Altarkonsekration zugegen war. Der Kirchenchor der Pfarrkirche sang eine ausgezeichnete Mozartmesse. An der Orgel unser Pater Waltram Roggisch aus Euskirchen. Die Choraltexte sangen Mitbrüder aus verschiedenen Klöstern, die zu Gast waren. Die Predigt hielt der Herr Kardinal selbst. Als Gäste zu den Feierlichkeiten waren u. a. zugegen die beiden Provinzialminister Michael Nordhausen (Colonia), Pater Konstantin Pohlmann (Saxonia), der Probst von Dülmen, H. Dümpelmann, viel Klerus von nah und fern, vor allem viele Mitbrüder aus beiden Provinzen. Seitens der weltlichen Behörden: Herr Landrat Kraft, Oberkreisdirektor Nothnick, Bürgermeister Anker, Neviges, Stadtdirektor Willebrand, Neviges, natürlich der Architekt Professor Gottfried Böhm und seine Mitarbeiter, Herr Professor Elmar Hillebrand, Architekt Günsler, der die Bauarbeiten zu überwachen hatte, die leitenden Herren der Firma Züblin und andere mehr. Die Kirche war übermäßig voll besetzt. Da wir aber nur 100 Sitzplätze zur Verfügung hatten, mussten fast alle stehen.
(Eine Bemerkung: Die vorgesehenen Stühle wurden erst sehr kurz vor der Eröffnung geliefert! Es stellte sich heraus, dass sie nicht den Erwartungen entsprachen. Die Lieferung wurde daraufhin sofort gestoppt).

Alle Gäste waren beim festlichen Mittagstisch anwesend. Als Pater Guardian in seiner Tischrede vor allem dem Herrn Kardinal dankte für seine Bemühungen zum Bau der Kirche, erwiderte dieser zur allgemeinen Belustigung: "Dafür habe ich auch genug Prügel bekommen!"

Nachmittags 15:00 Uhr Übertragung des Gnadenbildes in die neue Kirche! Der Herr Kardinal hatte es sich nicht nehmen lassen, auch zu dieser Feierlichkeit hier zu bleiben. Als weiterer Gast kam zu dieser Nachmittagsfeier noch Bischofsvikar H. H. Weihbischof Dr. Augustin Frotz, Köln, der auch die Predigt hielt. Den musikalischen Teil zur Prozession bestritt die Bläsergruppe unseres Kollegs zu Vossenack. Die Feier in der Kirche schloss mit dem gemeinsamen Segen des Kardinals und der anwesenden Bischöfe. Nach Angaben der Polizei wurden etwa 7.000 Besucher zu den Parkplätzen eingewiesen."

Der Chronist vermerkt noch: "Viel Volk war an diesem Tage unterwegs." Die Tageszeitung WAZ hatte eine reich bebilderte kostenlose Broschüre in einer Auflage von einigen tausend Exemplaren verteilen lassen.

Soweit der Bericht über den großen Tag, den 23. Mai 1968.