Der Kreuzberg

Der in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts immer stärker werdende Pilgstrom veranlasste den damaligen Pfarrer Pater Basilius Pfannenschmid (1872-94), in idealer Lage zur Wallfahrtskirche als eine zusätzliche Gebets- und Andachtsstätte einen Kreuzweg zu errichten. Das Gelände dazu schenkte die Gräfin Leonie von Ansembourg.

Der von den Franziskanern unter Leitung von Bruder Alexander Potthast angelegte Prozessionsweg wurde 1888 eingeweiht und führte in Serpentinen über den zum Teil sehr steilen Berghang entlang der 14 Kreuzwegstationen. Die einzelnen Szenen des Leidensweges Christi waren in farbig gefassten Terrakottareliefs dargestellt und diese in aufgemauerten Grotten aus braunen Lavasteinen vom Laacher See angbracht. Die 12. Station bildet eine erhöhte, frei stehende Kreuzigungsgruppe, deren lebensgroße Figuren aus Zinkguss gefertigt sind. Darunter wölbt sich eine Grotte über einen Altar, dessen Bild beziehungsreich die Stigmatisation des heiligen Franziskus zeigt, seitwärts steht im Berghang eine Kanzel aus Lavasteinen. Vor Altar und Kanzel erstreckt sich ein Terrassenplatz mit Bänken für mehr als 100 Wallfahrer.

An dieser 12. Station fand auch die große Feier zur Krönung des Gnadenbildes durch den Kölner Erzbischof Kardinal Fischer am 11. September 1904 statt. An dem festlichen Pontifikalamt nahmen 30.000 Pilger teil, die sich größtenteils auf der Bahnhofswiese unterhalb der 12. Station versammelt hatten.

Im Zweiten Weltkrieg zerstörte ein Bombenabwurf an der Klosterstraße die Ölbergrotte sowie eine Reihe der Terrakottareliefs, so dass alle durch neue Bildwerke von dem Kölner Bildhauer Toni Stockheim in den Jahren 1949-1955 ersetzt wurden. Diese aus dem Stein gehauenen Hochreliefs im Stil der Nachkriegszeit beeindrucken durch ihre realistisch-expressive Gestaltung, das gilt vor allem für die Stationen 9,10,11 und 13.

In früheren Zeiten bot die Terrasse vor der 12. Station an schönen Sommertagen für Pilgergruppen die ideale Möglichkeit, sich dort zur Feier der Heilg. Messe oder zur Kreuzwegandacht in der freien Natur zu versammeln.

Die schöne Anlage des Kreuzberges mit seiner Flora und den Bauwerken in malerischem Bewuchs erfreut nicht nur die Wallfahrer und Besucher, sie bedarf vor allem der ständigen Pflege und Wartung des Baumbestandes und der Wege, damit im steilen Gelände keine Gefährdung der Menschen oder Beschädigung der Grotten und wertvollen Bildwerke eintritt.